Da sich die Begeisterung für Yoga mittlerweile durch alle Bevölkerungs- und Alterskreise zieht kommt es häufig zu Fragen wie sich Yoga-Übungspraxis und eine bereits bestehende Erkrankung vertragen. In diesem Text geht es um die häufigen Augenerkrankungen Grauer (Katarakt) und Grüner Star (Glaukom), sowie altersbedingte Makuladegeneration. Es taucht immer wieder die Frage auf, ob ich als bereits erkrankter Patient überhaupt Yoga-Übungen machen darf – insbesondere Asanas – bzw was man alles beachten muss.
Die grundsätzliche positive Wirkung der Yoga-Praxis steht auch für diese Erkrankungen ausser Frage und beruht auf der allgemein kreislaufstabilisierenden , immunkraftstärkenden und psychisch harmonisierenden Wirkung regelmäßiger Yoga-Praxis. (1)
D.h. grundsätzlich ist die Yoga-Praxis bei allen diesen Erkrankungen möglich und sinnvoll. Einschränkungen kommen immer dann zum Tragen wenn der Übende selbst unerfahren ist in der Selbstreflexion seiner Aktionen. Unkritisch und immer hilfreich ist die Meditationspraxis und sanfte Atemübungen (Pranayama).Hier sei insbesondere auf die Bücher von Frau Prof. Dr.med. Strempel verwiesen, die eine weitgefasste Beschreibung möglicher Verhaltensmassnahmen (nicht speziell Yoga) veröffentlicht hat und insbesondere beim Grünen Star bezüglich Entspannungsverfahren geforscht hat.(2)
Speziell forcierte Körperübungen (Asanas und Pranayama) brauchen Erfahrung in der Selbstwahrnehmung. Die geübte Praxis der achtsamen Selbstwahrnehmung gibt schon wertvolle Informationen in welchen Übungssituationen ich mich wohl fühle und welche ich instinktiv ablehne.
Kritisch sind immer Zustände nach frischen Operationen. Die Integrität der Augenhüllen ist hier verändert und diese verhalten sich anders als normal wenn Druck auf sie ausgeübt wird. Nach einer unkomplizierten Grauen Star Operation in der heute gebräuchlichen Kleinschnitt-Technik sind mindestens 4 Wochen Pause von druckerzeugenden Asanas (Kopfstand, Pflug, stehende Vorwärtsbeuge, Pfau, Heuschrecke) ausreichend. Es sind also Stellungen, die über den erhöhten Bauchdruck oder die umgekehrte Körperhaltung das Blut zu Kopfe steigen lassen und so den Venendruck dort erhöhen. Bei den anderen Erkrankungen (Grüner Star, altersbedingter Makuladegeneration oder auch Netzhautablösung) ist es etwas komplizierter; hier muss man Informationen über die Art der Operation haben um einen Zeitraum angeben zu können in dem solche Übungen generell gemieden werden müssen.
Es gibt aber keinen grundsätzlichen Ausschluss von Übungen, die auf gar keinen Fall angewendet dürfen. Die alte Meinung, dass Kopfstand unbedingt vermieden werden müsse bei Grünem Star oder Netzhautablösung ist heute nicht mehr haltbar. Der Wert einer mit Freude und gern auch ein bißchen Stolz richtig und erfolgreich durchgeführten anstrengenden Übung ist für die Selbstwirksamkeit der Heilungskräfte wertvoller, als der Gewinn durch Schonung.
Das entbindet nicht davon sich selbstverantwortlich um Informationen zu bemühen. Detaillierte Informationen über den Stand der Erkrankung und die Art der OP kann nur der behandelnde Augenarzt/Ärztin geben. Wenn diese selbst Yoga praktizieren um so besser, ansonsten helfen erfahrene Yogatherapeuten bei der Bewertung der eigenen Übungspraxis.
Literatur:
(1) Anna Paul: “Yoga” in Dobos, Deuse, Michalsen, “Chronische Erkrankungen integrativ” Urban&Fischer 2006
(2) Ilse Strempel: “Das andere Augenbuch”, KVC Verlag, 2004
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