Yoga-Buch #2 – Was uns Patanjali im Yoga-Sutra wirklich vermittelt

Im Yoga-Sutra vermittelt Patanjali in seinen berühmten Versen, was das Verhalten einer YogiNi prägt

Nachfolgend betrachtet Lore Tomalla die Lehren des Patanjali, den achtgliedrigen Pfad des Yoga-Sutra in Verbindung mit weiteren Aspekten der Yoga-Lehre.

Yoga-Sutra: Wie das Verhalten eines Yogi geprägt wird

Die philosophischen Überlieferungen gehören verschiedenen Richtungen an. Es ist Nyaya, das Shankhya, es gibt Mimamsa und … Yoga!

Yoga-Philosophie und Patanjali

Zu den Yogaübungen gehört eine Philosophie, die auf einen indischen Weisen namens Patanjali zurückgeht. Patanjali ist der Autor der Yoga-Sutras. Es gibt unendlich viele Lehrbücher, zahlreiche Wissenschaften aber …

… die Zeit ist kurz, klagt ein indischer Weiser.

Die Yoga-Sutren des Patanjali sind in vier Kapitel unterteilt

  • samadhi-pada:    Über die Erleuchtung
  • sadhana-pada:    Über die Praxis
  • vibhüti-pada:    Über die Resultate
  • kaivalya pada:    Über die Befreiung
  1. Das erste lehrt wie man Gedankenstille während der Meditation erreicht, das ist Samadhi Pada, der Weg zu Samadhi.
  2. Das zweite Kapitel lehrt, wie man anschließend auf dem Yogaweg weiter fortschreitet, das ist Sadhana Pada.
  3. Das dritte Kapitel lehrt, wie man Vibhutis erlangt, das sind nicht nur Kenntnisse, nicht nur Erkenntnisse, sondern Fähigkeiten. Solange man sie nicht anwendet sind es Vibhutis, wenn man sie anwendet, sind es Siddhis.
    Wer Siddhi erreicht hat und sie anwendet, kommt ab vom weiteren Yogapfad. Er wird zurückgeworfen in den Strudel alltäglicher Pflichten.
    Das ist weder gut noch schlecht, es ist private Entscheidung, was man tun möchte oder was das Gebot der Stunde ist.
  4. Das vierte Kapitel ist geschrieben für diejenigen, die auf dem Yogaweg weiterschreiten, nachdem sie Vibhuti erlangt haben. Es ist Kaivalya Pada, der Weg zur Befreiung.
    Auf diesem Weg werden wir von uns selbst befreit.
    Darunter versteht man, dass wir alle Eigenschaften hinter uns lassen. Wer Kaivalya erreicht hat, lebt im Alltag wie jeder andere von uns, aber er hat keine Emotionen mehr. Er lebt sein Leben ohne Ärger, ohne Wut, ohne Hass, ohne Verblendung, ohne Ehrgeiz tut er seine Arbeit, er verachtet nichts mehr.

Heißt es für die Anfänger im Yoga noch:

das Ende der Freude ist immer das Leid, das Ende des Leides ist immer die Freude,

… so lebt derjenige der Kaivalya erreicht hat in göttlichem Gleichmut:

Alles ist gut, alles ist so, wie es geschieht, nützlich.

Was wir mit dem Yoga-Sutra lernen sollen ist:

  • Geschehen schlimme Dinge, so werden sie diejenigen, die damit konfrontiert werden, zur Einsicht führen.
  • Geschehen angenehme Dinge, so kann man sie froh genießen.
  • Hindernisse des Geniessens sind Illusion
  • Die Hindernisse zu frohem Genießen befinden sich ausschließlich in unserem Denken, im Citta.

Wer Citta Viksepa (die Unruhe des Geistes) überwunden hat, wird nicht mehr krank, hat nie Langeweile, verfällt nicht in Zweifel, ist niemals unentschlossen, ist Anfechtungen gegenüber unempfindlich, ist nie träge, benimmt sich immer tugendhaft.

Yoga-Sutra: Der achtgliedrige Yoga Pfad nach Patanjali

  1. yama (Moral, Ethik ‚das Verhalten anderen gegenüber)
  2. niyama (Selbstdisziplin‚  das Verhalten zu sich selber )
  3. asana (Übungen der Yogastellungen, körperliche Disziplin)
  4. pranayama (Beherrschung des Atems, mentale Disziplin)
  5. pratyahara (Sich-nach-Innen-Ausrichten, Disziplin der Sinne)
  6. dharana (Konzentration)
  7. dhyana (Meditation)
  8. samadhi (Ekstase, Versenkung, All-Einheit, Verwirklichung des höheren Selbst)

1. Die Yama’s des Yoga-Sutra

Die erste ist Yama. Yama sind die Verbote, alles was man lassen sollte, wenn man ein glückliches Leben führen will. Wenn man Yamas nicht einhält, so bewirkt das Leid (Klesha).

Ahimsa

Schon die erste Forderung ist fast nicht einzuhalten: Ahimsa. Ahimsa bedeutet nicht verletzen in Gedanken, Wort und Tat.

  • Nicht zuschlagen, wenn man gekränkt wurde und deshalb verzweifelt ist: wie mancher Mann sich in dem Moment nicht beherrschen kann.
  • Es geht hier noch nicht um Vermeidung von Krieg, …

Es geht um Vermeidung des Kleinkrieges in mir selbst!

  • Es geht darum meine Gedanken und Gefühle zu ordnen, nicht wütend losschimpfen, sondern ruhig und beherrscht den anderen darauf aufmerksam machen:
  • Das hat mich verletzt, geht nächstens achtsamer mit mir um!

Satya

Die zweite Forderung ist Wahrheit, Satyam, Wahrhaftigkeit. Aufrecht im Körper und in der Seele.

Wer in der Seele aufrecht ist, hat eine aufrechte Haltung: Er geht nicht gebeugt von allerhand Sorgen, die Schultern sind locker nach unten und rückwärts gehaltenen. Er hat auch kein Hohlkreuz, denn das kommt meistens von Stolz und Uberheblichkeit.

  • Wenn man die Wahrheit sagt, soll man aber Ahimsa beachten
  • Nicht die Wahrheit sagen, um zu verletzten.
  • Nicht die Wahrheit sagen, wenn man möglicherweise damit eine Untat begünstigt.

Asteya

Asteya- nicht stehlen wird wohl unter den Christen allgemein eingehalten. Woher kommen dann aber die Skandale wegen Korruption? Und die Einbrüche und die durch kurzschließen abhanden gekommenen Autos? Wie vermeidet man dieses?

Aparigraha

Aparigraha ist Begierdelosigkeit, Freisein davon, allerlei Andenken anzusammeln. Nichts Unnützes kaufen. Wegwerfen können, was nicht mehr gebraucht wird.

Brahmacharya

Alles zusammen ist dann Brahmacharya gottwohlgefälliger Lebenswandel.

2. Die Niyama’s des Yoga-Sutra

Die zweite Forderung des Yoga ist Niyama. Es geht nicht nur darum, positiv zu werden, im Alltag anzuwenden.

Nicht nur, nichts Böses tun, sondern Gutes tun.

Saucha

Die erste Forderung ist Saucha, Reinheit. Heutzutage ist es wohl zur Selbstverständlichkeit geworden, dass man sich regelmäßig wäscht: Waschbecken und Dusche gehört zu jeder Wohnung, Zahnbürste und Zahnpasta sind üblich.

  • Wenige wissen, dass es bei Magenverstimmung genügt, reichlich lauwarmes Wasser zu trinken und dieses wieder zu erbrechen.
  • Wenige wissen, dass es Reinigungsübungen mit lauwarmem Wasser gibt, die den Darm reinigen, wodurch viele Krebserkrankungen vermieden werden könnten.
Sauca ist die Reinheit des Denkens

Bei Saucha geht es aber hauptsächlich um die Reinigung des Denkens vom Schmutz:  Zorn, unnützes Grübeln, Zoten.

Das Denken soll klar sein und zielsicher ausgerichtet auf das Gute: Ich  wünsche nur Gutes, für mich selbst und für andere.

Das ist der Eka Agrata Zustand, der Herrschaft über die lndryas, die Sinne, verleiht;  das verhilft zuSelbsterkenntnis

Selbsterkenntnis bedeutet: Man erkennt sein eigenes Selbst im Spiegel des Mentalen.

Santosha

Mit Zufriedenheit oder Santosha ist nicht diese Selbstzufriedenheit gemeint, die sich bei finanziellen Erfolgen einstellt, sondern ein gefestigtes In-sich ruhen, oder auch in-Gottes- Hand sich geborgen fühlen.

Santosha heisst auch:

  • Im Glück nicht stolz sein,
  • im Leid nicht klagen.

Tapas

Tapas ist freudiges Streben und keinesfalls ein Gegensatz zu Santosha.

Das bestmöglichste mit geringsten Mitteln erreichen. Strebsam das gesteckte Ziel erreichen suchen, emsig, aber nicht gierig,

Svadhyaya

Dazu verhilft Svadhyaya Selbsterkenntnis, sich Rechenschaft geben über im Denken aufsteigende Wünsche und Emotionen.

Ishvara Pranidhana

lshvara Pranidhana ist nicht nur die Demut, die man einem höheren Wesen: Allah, Siva, Gott entgegenbringt, sondern alles was man tut, so ausführen,  als ob man es für Gott tun würde. Gott ist -immer bei uns- auch dann, wenn wir uns total von

ihm verlassen fühlen, gerade dann ist er da, bereit uns zu helfen, beizustehen, Beistand zu leisten. Alles was wir tun, sollten wir ihm weihen, so gut tun wie es uns nur irgend möglich ist, weil es ja nur für Ihn ist, diese höchste Wirklichkeit, an die auch Atheisten insgeheim glauben.

Zu Niyama gehört, dass wir auf unsere Handlungen achten.

Unser Tun spiegelt unsere Persönlichkeit am besten wider. Zu Niyama gehört aber auch, Worte und sogar unser Denken so zu reinigen, dass es sich vor Gott sehen lassen kann.

3. Die Asana’s des Yoga-Sutra

Die dritte Forderung des Yoga ist Asana. Asana sind Körperhaltungen, Körperpositionen.

Sie werden sehr langsam eingenommen, und dann bleibt man eine Weile so, um dann ebenso langsam wie man die Haltung aufgebaut hat, sie wieder aufzulösen und anschließend  entspannt ruhen.

  • Der Sinn ist bestimmte Körperpartien für eine Weile einzuengen, andere zu dehnen.
  • Dadurch wird die Durchblutung angeregt.

Es gibt auch Medikamente, bei denen auf der Packungsbeilage zu lesen steht: fördert die Durchblutung bei… usw.

Daher kommt es, dass immer wieder gesagt wird, dass Yogaübungen gesundheitsfördernd sind, weil viele Yogaübende die Erfahrung gemacht haben, daß die Durchblutung durch Yoga angeregt wird. Wer regelmäßig übt wird seltener krank, das ist eine Erfahrungstatsache.

Es gibt 84000 Asanas

Man braucht nicht alle üben. Später in diesem Yoga-Buch werden die Asanas ausführlich beschrieben, auch Asana- Reihen, die in langjähriger Unterrichtspraxis erarbeitet wurden.

4. Die Pranayama’s des Yoga-Sutra

Die vierte Forderung des Yoga-Sutra ist Pranayama, das ist die yogische Atemschulung. Die Atemzüge werden während des Pranayama-Übens länger ausgeführt als normal.

Dahinter steht ein Irrtum der Yogis

Sie glaubten, dass Gott für jeden Menschen eine Anzahl Atemzüge bestimmt. Hat er diese Anzahl Atemzüge erreicht, dann wird er sterben. Wenn der Yogi langsamer atmet, lebt er länger. Er zählt die gleiche Anzahl Atemzüge, aber weil er seine Atemzüge länger ausdehnt, dauert das länger und deshalb vermuteten sie, sie würden dadurch länger leben.

Das ist nicht richtig. Wir üben nicht Yoga um unser Leben zu verlängern, auch die Atemübungen führen wir nicht aus, weil wir unbedingt über hundert Jahre alt werden wollen.

Wer aber Personen kennt, die nur eine ganz flache Atmung haben, bei denen sich nur die Schlüsselbeine bewegen, wenn sie atmen, der erkennt, dass es wichtig und nützlich ist, den Atem zu schulen.

Zum Pranayama gehört auch die Atemlenkung.

Dazu muss man zunächst wissen, was Prana ist. Prana ist eine Lichtenergie, eine elektrische Energie, die Energie die unseren Körper zu seinen Funktionen befähigt. Unser Körper wird mit einer „Feuchtbatterie“ betrieben, deren Energie schwächer als eine Taschenlampenbatterle ist.

Diese Energie nehmen wir mit der Atmung auf. Wir atmen ein anderes Gasgemisch ein, als wir ausatmen. Das ist ein chemischer Vorgang, bei dem wird Energie frei.

Außerdem entsteht noch Energie durch die Umwandlung der Nahrungsmittel in Nährstoffe.

Prana und Nadis

Diese Lebensenergie nennt der Yogi Prana. Dieser Prana fließt in den Nadis. Diese Nadis entstehen im Beckenboden und ziehen sich von dort aus durch den ganzen Körper. Weil es den Meridianen, wie sie um den Erdball verlaufen, sehr ähnlich ist, nennt die Akupressur die Nadis Meridiane.

Folgende Zeichnung möge das veranschaulichen: In diesen Nadis fließt die Lebensenergie.

Yoga-Buch Yoga-Sutra

(Original-Zeichnung von Lore Tomalla)

Da der Mensch Fehler macht, Ernährungsfehler, Fehler in der Lebensweise, z.B. zu wenige Spaziergänge an frischer Luft und mentale Fehler z. B. es gibt Streit und Ärger, kommt es vor, dass in einigen Nadis zuviel Energie ist, in anderen zuwenig oder dass Blockaden entstehen.

Die Energie staut sich, kann die Blockaden nicht durchdringen.

Um diesen Misständen abzuhelfen, übt der Yogi Pranayama.

Er lenkt das Prana dorthin wo zuwenig Prana ist und zieht ihn dort ab, wo zuviel ist, um den normalen Gleichgewichtszustand wieder herzustellen.

Das erreicht der Yogi durch Konzentration. Die Konzentration muss sehr deutlich sein.

Es wird gelehrt, dass die Konzentration so sehr sein muss, wie Liebende sich den Partner herbeisehnen. Das ist ein guter Vergleich für die Intensität der Konzentration.

Man kann den Prana zunächst dadurch beeinflussen, dass man die Hand auf die Stelle legt, wohin man ihn lenken möchte.

Bei guter Konzentration gelingt es aber ohne Handauflegen.

Zur Pranalehre gehört die Lehre der Vayus

Prana Vayu, Samana Vayu, Apana Vayu: Aufnahme von Lebensenergie, Verteilung der Lebensenergie und Ausscheidung der Abfallstoffe. Zu den Vayus werden auch Gähnen, Blinzeln, Niesen und Aufstoßen gezählt auch die Vorgänge im Körper des Menschen nach dem Tode.

5. Pratyahara im Yoga-Sutra

Die fünfte Forderung des Yoga ist Pratyahara. Während die vorherigen Forderungen Bahya Angas genannt werden, die äußeren Glieder des Yoga, so ist Pratyahara die Stufe, die darüber hinausgeht.

Das sagt auch der Name: Praty bedeutet darüber hinaus weiter fortschreiten.

Yama, Niyama, Asana und Pranayama sind Anweisungen, die der Yogabeflissene ausführt. Für Pratyahara gibt es keine Anweisungen, wie das zu tun ist.

  • Pratyahara ist dasjenige, was dabei herauskommt, wenn man die vorherigen Stufen längere Zeit befolgt.
  • Pratyahara führt zur Verinnerlichung.
  • Pratyahara bewirkt, dass ich Unwichtiges hinter mir lasse.
  • Es ist das Sprichwort  ,, Mensch werde wesentlich“ das zum Tragen kommt, wenn Pratyahara eintritt.

Unser Denken befreit sich von allem Balast, befasst sich nur noch mit dem unbedingt wichtigen, es wird Eka Agrata, zielgerichtet.

Gunas

Drei Qualitäten, Gunas genannt, bestimmen unser Leben, mal ist die Eine, mal ist die andere vorherrschend: z. B.

  • tagsüber herrscht Raja Guna vor
  • wenn wir aktiv sind, nachts herrscht Tamo Guna vor,
  • wenn wir schlafen und im Urlaub herrscht Sattwa Guna vor: Entspannung, Harmonie, Lebensfreude.

Auf dem Pfad der Vollendung erlangt der Yogi die Fähigkeit, ein Gunatita zu sein.

Er überwindet alle Qualitäten, er ist der Mensch ohne Eigenschaften. Charakteristisch für ihn, dass er nichts mehr verachtet. So wie Gott alle Lebewesen liebt, ist auch ein Gunatita jemand, der alles liebend anschaut, wie z.B. Franziskus von Assisi sich für ein Ungemach bei Gott bedankte, weil es ihm eine Lehre war.

Nervosität überwindet man durch Gedankenkontrolle.

Auch Kopfschmerzen lassen sich durch eiserne Disziplin: Nicht grübeln, nur das wirklich wichtige denken, lindern.

Wer Pratyahara erreicht, hat die fünf Leid bewirkenden Hindernisse überwunden

#1 Avidya

Avidya Unkenntnis, Mangel an Einsicht.

Mit Avidya ist nicht Dummheit gemeint. Man kann viel wissen und dennoch Avidya unterworfen sein.

Wir Menschen können zurzeit nicht wissen, was nach dem Tode sein wird oder wo das Universum aufhört, ob es überhaupt irgendwo aufhört und was dahinter ist.

#2. Asmita

Asmita ist das Ego-Bewusstsein. Selbstbewusstsein sollte jeder von uns haben, aber egoistisches Verhalten muss abgelegt werden. Dies zu unterscheiden ist manchmal gar nicht so leicht.

#3 Raga

Raga meint hier Anhaften. Wir hängen an allem Möglichen: Am Althergebrachten, an unseren Familienmitgliedern, an alten Sachen, die als Erinnerung aufgehoben werden. Solches Anhaften verursacht Klesha, Leid, Kummer.

Deshalb sollen wir uns vom Anhaften befreien.

#4 Dvesha

Dvesha ist Abneigung. Alle Abneigung überwinden, auch die unbewusste Abneigung nicht zulassen. Als Beispiel: Franziskus von Assisi konnte Lepra-Kranke umarmen, ohne sich anzustecken.

#5 Abhinivesa

Abhinivesa ist die Angst vor dem Tode. Da wir wissen, dass wir alle irgendwann sterben werden, sollten wir uns mit dem Gedanken vertraut machen.

In der Bibel steht: Herr, lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf das wir klug werden.

Nicht auf das wir unsere Zeit gut ausnutzen – das verursacht Stress.

Auf das wir klug werden, was immer das bedeuten möge:
  • Wie geht Sterben vor sich? Niemand weiß das genau. Es geschieht eine letzte heftige Ausatmung und danach löst sich der Körper auf in einem langwierigen Prozess.
  • Wo bleibt unser Denken? Wohin gehen unsere Gefühle? War all unser Streben nur für die kurze Lebenszeit und ist mit dem Tode verloren, vertan, vergeblich?
  • Sind wir Kinder des Lichtes? Bekommen wir nach dem Tod eine Lichtgestalt? Oder gehen wir ein ins Reich des Schattens? Wo kann sich dieses befinden, wo wir doch schon so genau Bescheid wissen über das materielle Universum?
Dieses Unwissen verursacht die Angst vor dem Tode.

Wir meinen, sterben ist vielleicht sehr schmerzhaft und haben Angst davor. Niemand kann uns das vorher sagen. Es geschieht individuell. Niemand kann uns dabei helfen. Religiösen Menschen hilft das Gebet, das Gespräch mit dem Pastor. Anderen kann das Lesen des ägyptischen oder tibetanischen Totenbuches helfen.

Yogis versuchen, durch Meditation die Gedankenstille zu erreichen.

Zu Pratyahara gehört es, die citta vrittis, die Gedankenwellen zur Ruhe zu bringen, aber nicht nur diese, sondern auch die Ursachen für diese Gedankenwellen.

Die Gedankenwellen wirken als Vasana. Sie verstecken die Wirklichkeit, deshalb leiden wir an Viparyaya: Wir haben falsche Ansichten.

Als Beispiel:

  • Früher glaubte man, die Erde sei eine flache Scheibe und der Himmel wie eine Glocke darüber.
  • Heute weiß man, dass die Erde sich um die Sonne dreht und der Mond dreht sich um die Erde.

Wer weiß, was wir sonst noch alles für falsche Ansichten haben, z.B. im Psychischen gibt es unendlich viel aufzuklären.

Vikalpa – Auch Vikalpa trübt unser Denken: Ein Geizhals begreift nicht, dass für ihn vieles leichter wäre, wenn er sein Denken umstellen könnte. Es gibt Bettler, die sich reich fühlen, wenn in der Bettelschale Geld genug ist, auch morgen noch satt zu werden.

Nidra – Nidra ist Schlaf. Wir brauchen erholsamen Schlaf. Manchmal arbeiten die citta vrittis auch im Schlaf. Wir träumen, wir arbeiten Ängste auf, die wir tagsüber verdrängt haben. Sie erscheinen wie Märchen verschlüsselt.
Wenn derselbe Traum mehrfach auftritt, sollte man seine Lebenssituation überdenken. Man sollte herausfinden, was geändert werden muss, um Santosha, die Zufriedenheit zu erlangen.

Smriti – Smriti bedeutet eingeprägt. Wenn es uns nicht gelingt, unsere weltlichen Bindungen zu lösen, stört dieses Fehlverhalten die für Pratyahara erforderliche Einspitzigkeit des Denkens (Eka Agrata).

  • Der übende Yogi überwindet Vyadhi (Krankheit), hat nie Styana( Langeweile), weil er aufgeschlossen und interessiert für alle Fragen des täglichen Lebens ist.
  • Ein übender Yogi unterliegt nie dem Zweifel (Samsaya). Deshalb ist er nie unentschlossen und weiß immer was er will. (Im Unterschied zu Leuten, die nur wissen, was sie nicht wollen).
  • Ein übender Yogi verfällt nie in Pramada. Er geht nicht gleichgültig am Leiden anderer vorbei. Er reagiert nicht mit Unempfindlichkeit auf Bitten, sondern leistet aktive tatkräftige Hilfe.
  • Er verfällt nie in Alasya (Trägheit) oder Avirati (Untugend).
  • Bhranti Darshana, fehlerhafte Kenntnisse vermag er durch Meditation zu berichtigen und Alabda Bhumikatva, nicht-Sehen-können der Wirklichkeit, überwindet er durch unterscheidende Klarschau.
  • Anavasthitattwa geschieht, wenn er aufhört zu üben. dadurch verliert er alles Erreichte wieder.
  • Dukha (Leid, Schmerz, Kummer) überwindet er leicht und gerät nie in Durmanasya (Verzweiflung).
  • Durch Üben der Asana überwindet er Angameyayatva, Ungeschicklichkeit und durch Pranayama Swasa-Praswasa Atem-Unregelmäßigkeiten.

SUKHASYA ANTAM SADA DUKHAM – Das Ende von Glück ist immer Leid.

DUKHASYA ANTAM SADA SUKHAM – Das Ende von Kummer ist immer Freude.

6. Dharana im Yoga-Sutra

Die sechste Forderung von Yoga ist Dharana.

DHARANA und DHYANA gehören zu den ANTAR ANGAS. Dharana ist zu üben.

Es gibt klare Anweisungen für Dharana: Konzentration auf ein Desha, ein Objekt. Das kann eine Landschaft sein, ein Baum, ein See, ein Berg, ein Tier, eine Blume (Farbe, Form, Duft) ein Diamant, ein Bergkristall oder ein anderer Edelstein, die Sonne, das Kreuz, das OM-Zeichen.

Sie wählen selber Ihr Desha. Es muss etwas sein, was Ihnen wirklich etwas bedeutet. Dann wird Ihre Konzentration so intensiv sein, wie es für Dharana erforderlich ist.

Sie „sehen“ das vorgestellte Objekt mit geschlossenen Augen. Sie sehen es in ihrem Citta-Akasha, in Ihrem Denk-Raum.

Das ist meistens etwa eine Handbreit vor der Mitte der Augenbrauen, es kann aber auch, z.b. wenn sie sich auf eine Kerzenflamme konzentriert haben, nach innen umschlagen und im Herzraum oder eine Handbreit über der Basis des Rumpfes im Bereich der Körperachse erscheinen.

Das regelmäßige Üben von Dharana überwindet Mudha (Stumpfsinn). Es bewirkt Ksipta, das Sammeln der Denkkräfte, beseitigt Viksipta (Erregung, Zerstreuung der Gedanken) und führt zu Eka Agrata, diesem Zustand der Aufmerksamkeit und Zielgerichtetheit des Denkens, den wir schon bei Pratyahara kennen gelernt haben.

Unser Denken verliert diesen Zustand sehr leicht durch Ablenkung und Störung. Deshalb sollte der Yogi Dharana üben.

7. Dhyana im Yoga-Sutra

Wenn Dharana perfekt durchgeführt wird, geschieht Dhyana, die siebente Forderung des Yoga. Dhyana ist Meditation.

  • Die Aufgabe wird in Dharana gestellt, durch Üben von Dharana erlangt der Yogi Konzentration und wenn ihm diese gelingt, verfällt der Yogi in Meditation.
  • Er wird eins mit seinem Meditationsobjekt.
  • Dhyana wird auch bezeichnet als Andacht. Wie im Gebet, so erlangt der Yogi durch Konzentration den Zustand der Meditation.
  • Es ist das Anhalten der Fackel, das Zur-Ruhe-Kommen der Gedanken, Einswerden mit dem Objekt, auf das sich die Konzentration richtet.

Über Dhyana lässt sich sagen, dass es wie Pratyahara nicht geübt werden kann.

Es ist ein Zustand, in den man gelangt, wenn man die vorherige Stufe gemeistert hat. Der Yogi erfreut sich all dieser Erfolge, die er im Dharana angestrebt hat, während er mit geschlossenen Augen dasitzt und Dhyana erlebt.

8. Samadhi im Yoga-Sutra

Die achte Forderung des Yoga ist Samadhi, Citta Vritti Nirodha, das zur-Ruhe Kommen der Gedankenvorgänge.

  • Im Samadhi sitzt der Yogi aufrecht da, ist aber über das Genießen der Erfolge des Dharana, das er im Dhyana erlebt, hinausgegangen.
  • Er wurde eins mit dem Meditationsobjekt, geht auch darüber noch hinaus, sitzt aufrecht da und bemerkt seine Umgebung nicht mehr.
  • Es ist wie im Tiefschlaf, aber der Yogi schläft nicht, weil er ja aufrecht da sitzt.

Das ist der Samadhi Zustand, der Zustand der dem Yogi völlige Gedankenruhe beschert, aus der er Kraft schöpft für den Alltag.

Es gibt Yoga-Übende, die sich besser entspannen können um den Samadhi Zustand zu erreichen, wenn sie Räucherwerk anzünden. Bei feierlichen Anlässen wird ja z.B. auch in der katholischen Kirche Weihrauch angezündet.

Wenn diese Räucherstäbchen zum rascheren Eintreten des Samadhi Zustandes helfen, so ist das leicht zu erklären: Wir hatten uns ja auch auf den Duft einer Blume konzentriert. Duftstoffe können anregen oder auch abgelehnt werden. Das ist sehr individuell und Sache Ihrer Wahl.

  • Jedenfalls ist Samadhi nicht ein dümmliches Dösen.
  • Es ist eine beherrschte Wachheit ohne störende Gedanken.

Diese schenkt Konzentrationskraft für den Alltag, weil das Denkorgan optimal ausgeruht ist. Menschen, die nicht Yoga üben, wundem sich immer, wieso Yoga-Übende in kürzester Zeit soviel praktische Arbeit erledigen können, wieso sie so gute Ideen haben.

Das kommt ganz einfach daher, weil das Denken sich während Samadhi besser ausruhen kann als im Schlaf.

Niemand wird bestreiten, dass man ausgeruht leistungsfähiger ist als sonst.

Diesen einfachen Samadhi Zustand übersteigend gibt es noch acht weitere Samadhi Zustände, die kaum voneinander zu unterscheiden sind.

Sat Chid Ananda

Der höchste dieser Samadhis ist SAT CHID ANANDA, die SEINS- BEWUßTSEINS-SELIGKEIT, dieser Zustand, der auch göttliches Bewusstsein genannt wird.

… Oder Nlrbija Samadhi, der Samadhi, wo es nicht einmal mehr Keime für Gedanken gibt.

Die Friedens-Anrufung:

purnamadah purnamidam
Purnat purnamudachyate
Purnasya purnamadaya
Purnamevavashishyate

Fülle ist hier, Fülle ist dort,
Fülle entsteht aus der Fülle,
Entnimmst du Fülle aus der Fülle,
so bleibt als Rest Fülle übrig

Die Lösung des Rätsels ist sehr einfach:

Liebe ist das Einzige das wächst, während man es verschwendet

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