YS1.5: 5 Unfreiheiten des Yogis

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Freiheit entsteht, wenn Unfreiheiten gemieden werden. Das ist schwieriger als gedacht. Über das Vritti der Weltentsagung  und die Post-Vrittale-Meditation

Freiheit ist ein kostbares Gut und entsteht dann, wenn wir frei sind von Bindungen. Aber was genau sind diese Bindungen? Erkennen wir sie immer alle? Patanjali sagt nein. Viele Bindungen suchen wir geradezu.

Yoga-Sutra Vers 1.5 – Die 5 Arten der Un-Freiheit

वृत्तयः पञ्चतय्यः क्लिष्टाक्लिष्टाः ॥५॥
vr̥ttayaḥ pañcatayyaḥ kliṣṭākliṣṭāḥ ॥5॥

Es gibt fünf Arten von Trübungen (Vritti). Einige mögen wir, andere nicht. ||5||

In Vers 1.4 hatten wir besprochen, was die Vrittis, die Geistestrübungen mit uns machen. Wir haben erfahren, warum sie zu meiden sind.

Dabei hatte ich auf die verführerische Kraft von Vrittis aufmerksam gemacht. Genau darum diese gehts in Patanjali’s Yoga-Sutra Vers 1.5.

#1 Unangenehme Vrittis sind zu meiden

Dass wir unangenehme Vrittis meiden wollen – oder sollen – ist nachvollziehbar. Das bedarf keiner weiteren Erläuterung. Sowas tut jeder schon aus eigenem Antrieb.

Unangenehme Vrittis sind solche, …

  • die uns leiden lassen
  • die niederdrücken
  • die weh tun und Schmerz bereiten.

Diese Art von Erfahrung umwölkt unseren Geist und lässt uns in üble Stimmungen gelangen.
Das will niemand.

#2 Angenehme Vrittis sind zu meiden

Jetzt sagt Patanjali aber, dass auch die angenehmen Vrittis zu meiden sind.

Was soll das denn?

Wir wollen doch Freude, wir wollen Positivität, wir wollen, dass es uns gut geht. Dazu brauche ich doch die angenehmen Vrittis. Warum will Patanjali, dass ich auch diese meide?

Dem westlichen Geist erschliesst sich das in der Tat etwas „zäh“. Ich habs auch lange nicht verstanden.

Immerhin gehören zu den angenehmen Vrittis solche Dinge wie:

  • tolle Events wie zB Party und Theater oder Kino
  • ausgelassene Freude
  • wildes Tanzen
  • Kaffeklatsch
  • … usw.

Das ist doch toll – warum soll ich das meiden?

Viele Teilnehmer aus meinen Kursen sagen mir an dieser Stelle, dass sie das lieben, und nicht einsehen, warum sie auf die Tollen Vrittis verzichten sollen.

Es ist ja auch eine Form des positiven Denkens (Achtung Vritti!), wenn man sich mit Vergnügungen von unangenehmen Dingen ablenkt.

Ja, auch Positivität kann ein zu vermeidendes Vritti sein.

Paradox, oder? Wir klären das gleich.

Lies weiter.

Im Schatten der Vrittis

Andere Leute versuchen das zu verstehen, indem sie sagen:

Wenn die tollen Vrittis beendet sind (zB weil die Party zu Ende ist, oder der Film), dann kommt eine unschöne, leere Stimmung auf. Dann falle ich in ein Loch, aus dem ich mich erst wieder aufrappeln muss. Bestimmt meint er das.

Klar gehört das auch dazu .. 🙂 …

Aber eigentlich ist es noch was anderes.

Es geht darum den Zustand in dem wir unsere Gedanken loslassen, die Gedankenfreiheit dauerhaft und nachhaltig zu erreichen.

Es geht darum, den Zustand, indem wir wunschlos glücklich sind, als Dauerzustand zu etablieren.

 

Einmal Vritti und Retour

Und falls wir da doch mal raus rutschen, dann gehts federleicht wieder zurück in die Wonne.

Weil Ananda, die Wonne der Yogis, so wundervoll ist. Es ist einfach genial, in diesem klaren Geist und der damit verbundenen inneren Stille zu verharren.

Du bist dann frei von allen Bedürfnissen. Es gibt nichts Besseres.

Die tollen Events, die wir meiden sollen, führen uns von diesem Zustand weit weg.

Deshalb sollen wir sie meiden.

Oder doch nicht?

Meditation oder Meiditation?

Hast du schon mal den Wunsch verspürt unmittelbar nach einem trubeligen Familientreffen zu meditieren?

Was dann passiert, nenne ich gern „meiditieren“ (kein Tippfehler).

Du nutzt die Meditation als Rückzugstechnik.

Während die anderen aufräumen.

Das ist meiditieren. 😉

Post-Vrittale-Meditation

Die Meditation nach dem Vritti ist geprägt von dem Wunsch seine innere Stille wieder zu finden. Und es ist schwierig.

Je doller das Vritti, desto oller die Meditation.

Durch die Nachwehen des Trubels bist du erst mal nicht in der Lage zu meditieren.
Dein Geist ist gründlich aufgewühlt, und das dauert bisschen, bis er zur Ruhe kommt.

Je geübter du in der Meditation bist, um so besser geht das. Klar.

Zunächst ist es erst mal schwierig.

Durch diese dunkle Wolke muss jeder durch, um wieder ins Licht der Meditation zu gelangen, und diesen besonderen Zustand der Freiheit von Gedanken geniessen zu können.

Und je nachdem was los war, gehts gar nicht. Du denkst nur in der Gegend rum.

 

Meditationsprobleme sind ein übles Vritti

Lästig und schwierig ist die Meditation vor allem dann, wenn du noch Meditationsanfänger bist.

Dann hast du eh erst noch andere Probleme zu bewältigen:

  • Müdigkeit
  • das mit dem Loslassen klappt noch nicht so gut
  • die Knie und Hüften tun weh.
  • der Kopf ist voll von „irgendwelchem Mist“.

Vritti-Salat behindert Meditation

Betrachte diesen „Mist“. Das ist ein Vritti-Salat! Oft ein ganzes Vritti-Salat-Buffet. Und je ausgelassener du gefeiert hast, um so schwieriger ist es da Ruhe rein zu bringen.

  • Weil du weit weg bist, von jeglicher Ausgeglichenheit.
  • Weil du das Verlangen hast weiter Party zu machen.

Es geht darum, daß du mit tollen Vrittis genauso in die Unruhe kommst, wie mit üblen Vrittis.

Da liegt der Knackpunkt.

Und noch was ganz Wichtiges

Vritti der Weltentsagung

Patanjali gehts nicht darum, dass du dich kasteien sollst. Er will auch nicht, dass du der Welt entsagst, und jegliches Vergnügen meidest.

Patanjali will, dass du mit deinen Ressourcen achtsam umgehst, und dich von Verführungen und Unfreiheiten befreist.

Du sollst in der Lage sein jederzeit von Innen heraus zu erkennen, was für dich richtig und falsch ist. Du sollst dich jederzeit und überall lösen können.

Weil du frei von Verlangen bist.

Nicht weil du der Welt entsagt hast.

Verstehst du den Unterschied zwischen Freiheit von Verlangen und Weltentsagung?

Zu den grössten Unfreiheiten gehört das Verlangen nach Vergnügen.

Das ist das, was dich unglücklich macht.
… und mich.
Und alle.

Nochmal:

  1. Keiner will, dass du leidest oder der Welt entsagst.
  2. Keiner will, dass du dich im Trubel (t)oller Vrittis verlierst.

Patanjali meint:

Du bist am glücklichsten, wenn du so ausgewogen lebst, dass du frei von Verlangen und Abhängigkeiten aller Art bist.

Freiheit von falschen Regeln, die dir nicht gut tun ist …

  • Wenn du die Welt nicht benötigst, um glücklich zu sein.
  • Wenn du jederzeit etwas ändern kannst, ohne das Gefühl zu haben etwas zu verpassen.
  • Weil du deine Freude in dir trägst und nicht im Aussen suchst.

Dann bist du in deinem Gleichgewicht.

Das Vritti-Paradoxon der Meditation

Wenn du das Gefühl hast, dass du nur und einzig in der Meditation glücklich wirst, dann ist auch das ein Verlangen. Das ist genauso ein Vritti, wie jedes andere auch.

Du bist nicht in deiner Mitte.

In diesem Vers macht uns Patanjali darauf aufmerksam, das jedes Vritti – egal welches – zu meiden ist.

In den nachfolgenden Versen werden sie im einzelnen besprochen.
Er hat die Vrittis klar identifiziert. Die Aufzählung, um welche Vrittis es sich insgesamt handelt, findest du im Beitrag: Yoga-Sutra des Patanjali 1.6 – Chitta und die 5 Vrittis

Danach ist dir klar, von was er spricht und worum es geht.

Die Abkürzung

Wenn du das Yoga-Sutra des Patanjali zwar interessant findest, aber einen Weg suchst, um vor allem schnell weiter zu kommen, dann ist das hier deine Abkürzung: 

 

 

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