YS1.8: Wissen schafft Irrtum

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Chitta und Vrittis

Ist Wissen immer Gewissheit, oder eher Irrtum? Was ist Irrtum, und wie entsteht Irrtum? Patanjali erklärt uns, wie es zu irrtümlichem Wissen kommt.

Wissen – oder Irrtum? Dieses Zitat aus den Kreisen des Wissens, also direkt vom anerkannterweise wissenschaftlich-seriös arbeitenden Nobelpreisträger bringt es auf den Punkt:

„Wissenschaft ist Irrtum auf den neusten Stand gebracht“
(Linus Pauling, Nobelpreisträger)

Yoga-Sutra Vers 1.7 – Fantasie, falsches Wissen und Irrtum

विपर्ययो मिथ्याज्ञानमतद्रूप प्रतिष्ठम् ॥८॥
viparyayo mithyā-jñānam-atadrūpa pratiṣṭham ॥8॥

Irrtum (Viparyaya) entsteht durch falsches Wissen (mithya jnana), das auf einer vom aktuellen Zustand gelösten Sicht (atadrupa) basiert (pratishtham). ||8||

Wie entsteht ein Irrtum?

In diesem Vers gehts darum, wie es dazu kommt, dass wir uns bei allem ernsthaftesten Bemühen um Korrektheit trotz allem ein völlig falsches Bild von etwas machen.

WARUM? » Es geht nicht ums Warum.

BEDEUTUNG? » Es geht auch nicht darum, ob das gut oder schlecht ist.

Es geht einzig um die Frage:

Wie kommt es, dass wir uns in völlig verdrehten Darstellungen dieser Welt verlieren, die uns in der Folge zu falschem Handeln bringen?

Viparyaya , das Wort welches Patanjali hier verwendet, kann man auch als verdreht, ausgewechselt oder pervertiert übersetzen.

Damit meint er das, was ich als Irrtum bezeichne.

Irrtümer sind verdrehte Sichtweisen dieser Welt

Diese verdrehten Darstellungen erscheinen heimtückischerweise oft so wahr, dass sie auch noch für die absolut gültige Realität gehalten werden.

Diese „Fantasien“ oder eben Irrtümer werden dementsprechend vehement und in voller Ernsthaftigkeit verteidigt. Korrektes Wissen wird dagegen als Irrtum oder Spinnerei abgestempelt.

Hier einige bekannte Beispiele dazu:

Rückenschmerzen sind psychisch

  1. Jahrzehntelang galt es als sicher, dass der menschliche Körper auf einer mechanistisch-chemischen Ebene funktioniert.
  2. Die umfassenden Einflüsse der Emotionen und der Geisteshaltung des Körper-Bewohners auf die körperlichen Zustände und Prozesse galten als Spinnerei.
  3. Nur was man messen oder unter dem Mikroskop betrachten kann ist echt.

Inzwischen ist man da deutlich weiter.

Die Wissenschaft entdeckt und belegt immer mehr Zusammenhänge zwischen dem geistig-emotionalen Geschehen und körperlichem Prozessen.

So ist es mittlerweile eine akzeptierte ärztliche Entscheidung, chronische Rückenschmerzen oder chronische Magenbeschwerden auf psychischer Ebene zu behandeln. Studien haben belegt, dass dies (nach Ausschluss physischer Ursachen) der effektivste Weg ist.

Gerade bei chronischen Rückenschmerzen ist es oft so, das keine physische Ursache gefunden werden kann. Weil keine existiert. Sie ist psychisch.

Deshalb wird immer mehr auf überflüssige Bandscheiben-OPs aufmerksam gemacht.

Mein Tipp: Google mal nach „überflüssige Bandscheibenoperationen“  … ist spannend!

Dasselbe gilt für viele weitere Bereiche. Viele OPs sind überflüssig und bringen, wenns schlecht läuft, unter Umständen auch noch Schaden. Und nutzen tut diese Art von OP auch nichts.

Natürlich gibt’s auch wirklich wichtige und höchst sinnvolle OPs. Die sollten dann auch unbedingt durchgeführt werden! Man sollte nur nicht blind einem gewohnten Standardweg folgen, nur weil das seit Jahrzehnten so gemacht wird.

 

Falsche Ernährung kann Depressionen fördern

Bis vor relativ kuzer Zeit wurde in der Medizin der mögliche Einfluss der Ernährung sehr restriktiv gesehen. Die Auffassung, dass die Art der Ernährung auf die psychisch-emotionale Gesundheit einen Einfluss haben kann, galt als Unfug.

Im Ayurveda und weiteren traditionellen Gesundheitssystemen gehört der bewusste Umgang mit Ernährung auf dieser Ebene dagegen zum Standard. Ein Ernährungsplan ist die Basis-Therapie. Genau das wurde aus medizinischer Sicht sehr gern belächelt.

‚Wenn Sie glauben, daß es Ihnen hilft, dann machen sie das so … ‚ sagte der Arzt lächelnd.

Auch dies hat sich gewandelt

Neuere Studien belegen eindrucksvoll den Zusammenhang zwischen Ernährung und psychischen Zuständen, wie beispielsweise Depressionen oder Ängste, und weiteres.

Mein Tipp: einfach mal „Ernährung Depression“ oder „Ernährung Ängste“ googeln.

Die Verbindung entsteht in diesem Fall über die jeweilige Zusammensetzung der Darmbakterien, und den daraus entstehenden physiologischen Prozessen. Dies ist ein aktuelles Forschungsgebiet, welches in kurzen Abständen spannende neue Erkenntnisse liefert.

Ich bin sicher, dass sich hier bald einige grundlegende medizinische Empfehlungen ändern werden.

Kindliches Asthma durch Ernährung der Mutter

Im Bereich der Ernährung entdeckt man derzeit weitere Einflüsse, wo man bis vor kurzem noch jegliche Verbindung strickt abgelehnt hat. Beispielsweise bei kindlichem Asthma.

Die Forschung hat kürzlich entdeckt, dass die Ernährung der Mutter während der Schwangerschaft signifikanten Einfluss darauf haben kann, ob das Kind später Asthma entwickelt oder nicht.

Im Ayurveda ist es selbstverständlich, dass die Ernährung der Mutter nicht nur auf der Ebene von Vitaminen und Mineralien angepasst werden muss, sondern dass es weitere „energetische“ Einflüsse gibt, die zu beachten sind. Im Ayurveda heissen diese Energien: Vata, Pitta und Kapha.

Dort geht man sogar noch weiter. Da beginnt die korrekte Ernährung von Vater und Mutter bereits vor der Zeugung. Ich bin gespannt, wann unsere Wissenschaft in diesem Themengebiet angekommen ist. 🙂

Tipp: Google nach „asthma ernährung mutter

Die obige Liste ließe sich endlos fortsetzen.

Nutzen der Wissenschaft

Nochmal: Es geht mir nicht darum, die moderne Wissenschaft und Schulmedizin in die Tonne zu hauen. Die machen in vielen Bereichen einen wichtigen und guten Job. Sie sind nur genau so mit Irrtümern behaftet, wie andere auch.

Sie lernen jeden Tag dazu. Wie andere auch.

Und das ist gut so.

So trägt die moderne Wissenschaft dazu bei, die seit Jahrtausenden überlieferten Gesundheitssysteme besser zu verstehen – indem sie deren Lehren immer wieder neu bestätigen.

Und so einiges hinterfragen – denn auch bei den alten Systemen gibt’s, trotz ihres langen Bestehens, immer noch Irrtümer.

 

Bestätigte Auffassungen als Quelle für Irrtum

Mir geht’s darum zu zeigen, dass absolut seriöse, bestätigte Auffassungen, also wissenschaftlich korrektes und allgemein akzeptiertes Wissen, völlig daneben liegen kann.

Es muss jedem klar sein, dass es wichtig ist stets auch das zu überprüfen und zu hinterfragen, das allgemein als absolut gesichert eingestuft wird.

Dazu benötigt es den Mut, die Dinge selbst zu durchdenken und zu hinterfragen.

Es ist keine gute Idee, das Denken und Forschen immer anderen zu überlassen.

Das führt nur in die Abhängigkeit und fördert Irrtum.

Wissen ist ein Schnappschuss

Denn die Auffassung, die man von einer (scheinbaren?) Gegebenheit erlangt, ist immer nur das Bild des aktuellen Zustandes.

Und zwar des Zustandes des Betrachters und des Zustandes des betrachteten Gegenstands.

Beides kann sich ändern.

Deshalb ist es so enorm wichtig, sich des Einflusses des aktuellen Zustands bewusst zu sein.

Der aktuelle Zustand beeinflusst die Wahrnehmung

Das kann eine Laborsituation sein, in der versucht wird einen gleichbleibenden „aktuellen Zustand“ herzustellen. Aber das Labor ist nicht das echte Leben. Deshalb passt das nicht immer. Viele Zustände des Menschen sind im Labor gar nicht darstellbar – das ist das Dilemma in der Forschung.

Dabei spielt immer auch der Zeitgeist eine grosse Rolle. Jegliches Wissen ist immer im Rahmen der Zeit in der es entstanden ist zu sehen. Und die Zeiten ändern sich.

Deshalb gilt es Ergebnisse aller Art regelmässig zu hinterfragen. Klick um zu Tweeten

Die Bedeutung der klassischen Modelle des Yoga

Genau dabei kann die Yogatherapie mit ihren ganzheitlichen, aus dem klassischen Yoga stammenden Methoden und Modellen sehr hilfreich sein.

Die 5 Koshas

In den Yogatherapie-Ausbildungen arbeiten wir intensiv mit den 5 Koshas. Das ist ein extrem hilfreiches Modell, um über den Tellerrand der physischen Ebene hinaus zu schauen.

Swara-Yoga

Auch Swara-Yoga mit den Modellen von Ida, Pingala und Sushumna leistet hier regelmäßig sehr wertvolle Dienste, um die verschiedenen Arten von Einflüssen zu verstehen.

Chakra-Yoga

Und natürlich die Chakren. Die dürfen auf keinen Fall vergessen werden. Gerade die Chakren sind unverzichtbar. Sie helfen bei der Erkenntnis, welche Emotion sich in welchem Körper- und Lebensbereich ausdrückt.

Es wird immer wieder deutlich …

Es ist wichtig Wissen aus vielen Perspektiven zu prüfen. Besonders jenes, an das man sich längst gewöhnt hat.

Denn gerade auf Basis dieser Sicherheit entstehen die gefährlichsten „Mythen“. Auch in der Wissenschaft.

Und genau damit geht es in diesem Vers des Patanjali:

  1. Der Start der „Kette der Irrtümer“ ist eine falsche Vorstellung von etwas. Eine Vorstellung, die auf einem aktuell gültigen Zustand basiert, auf einem Schnappschuss, der sich ändern kann.
  2. Darauf aufbauend entsteht falsches Wissen. Logisch.
  3. Das falsche Wissen führt zu einer Sicht, die man nur noch als „reine Fantasie“ oder blanken Irrtum bezeichnen kann.

Und das gilt überall.

Nachdem wir geklärt haben welche Fallen mit dem Wissen verbunden sind, kommt nun die Aufklärung, woran man wahres Wissen erkennt. Lies das im Beitrag Yoga-Sutra des Patanjali 1.9 – Wahres Wissen macht Ahhh!

Die Abkürzung

Wenn du das Yoga-Sutra des Patanjali zwar interessant findest, aber einen Weg suchst, um vor allem schnell weiter zu kommen, dann ist das hier deine Abkürzung: 

 

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