Yogatherapie und die 5 Koshas – Vijnanamaya Kosha (4/5)

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5 Ebenen - 5 Koshas

5 Ebenen – 5 Koshas

Was war vorher?

Vorher war Yogatherapie und die 5 Koshas – Anamaya Kosha (1/5), Yogatherapie und die 5 Koshas – Pranamaya Kosha (2/5), Yogatherapie und die 5 Koshas – Manomaya Kosha (3/5)

Dies ist der vierte Teil einer Folge von insgesamt 5 Artikeln zu zentralen Konzepten der Yogatherapie, die sich mit den 5 Ebenen (Koshas) des Menschen beschäftigen.

4. Geistige Ebene – Vijnanamaya Kosha

Der vierte Teil der Betrachtung befasst sich mit der Befindlichkeit auf der geistigen Ebene.

Welche Denkmuster und Glaubenssätze herrschen vor?

Die nächste Ebene, die geistige Ebene, ist unser Geist, bzw. der Intellekt. Zur emotionalen Ebene gehört das einfache Denken, auch das instinkthafte Denken, und es ist eng verbunden mit Wohlbefinden.

Zur geistigen Ebene gehören unsere Denk- und Verhaltensmuster, all das, was intellektuell in unserem Kopf vorgeht. Wenn man beispielsweise beim Nachbarn vorbeigeht und er böse blickt, neigt man dazu, es auf sich zu beziehen. Hat man vielleicht kürzlich einen Apfel von seinem Baum stibitzt, fühlt man sich ertappt, auch wenn der Nachbar sich eigentlich gerade über eine vertrocknete Pflanze ärgert. Es gehört zu unserer Natur, alles was um uns herum an Negativem passiert, auf uns selbst zu beziehen. Diese Denkmuster machen uns unglücklich und krank und wir müssen lernen, sie los zu lassen. Der Umgang mit unseren Denkmustern ist ein großes Thema im Yoga, im Raja Yoga.

Denkmuster erkennen

Zuallererst muss man lernen, diese Denkmuster bei sich selber überhaupt zu bemerken. Menschen, die in ihren Denkmustern gefangen sind oder die sich damit unbewusst identifizieren, die bemerken sie nicht. Sie reagieren vielleicht sogar gereizt und verteidigen sich, wenn jemand sie darauf aufmerksam macht. Sobald man diesen schwierigen Schritt des Erkennens geschafft hat, muss man als nächstes lernen, die Denkmuster aufzulösen. Mit Auflösen ist nicht unterdrücken gemeint, das geht nach hinten los. Auflösen heisst loslassen. Man setzt sich in solch einer Art und Weise damit auseinander, das man das Denkmuster nicht mehr benötigt.

Denkmuster auflösen

Dabei ist die wichtigste Praxis überhaupt die Meditation. Wenn man sich regelmässig zur Meditation hinsetzt, dann kommt man irgendwann doch zur Ruhe. Setzt man dies nicht, belastet die Aufregung jedes einzelnen Tages immer wieder das Herz und Gemüt. Wenn man dagegen täglich meditiert, löst man auch täglich vorhandene negative Energien und Gedanken auf und bewegt sich mit der Zeit stabil auf einem viel höheren Energieniveau.

Meditation ist ein ausgeprägtes Training in Sachen Selbstbeobachtung.

Bei der Meditationsmethode die Tratak genannt wird, starrt man zum Beispiel in eine Kerze und wundert sich, was einem alles durch den Kopf geht. Das nimmt man zunächst einfach nur zur Kenntnis und lernt später die Gedanken nicht fest zu halten, sondern weiter ziehen zu lassen (… zum nächsten. ?). Diese Meditationsmethode lehrt die Kunst der Selbstbeobachtung. Je öfter und intensiver man übt, desto schneller erkennt man die eigenen Gedanken schon in dem Moment, in dem sie entstehen. Dann sind sie noch klein und zart und lassen sich leicht beseitigen.

Negativ- und Positivspirale

Gehen wir noch einmal zu unserem Beispiel mit dem geklauten Apfel zurück. Ein meditationsgeübter Mensch geht in dieser Situation am Nachbarn vorbei, bemerkt dessen Stimmung, fühlt sich aber nicht betroffen. Er kann, im Gegenteil, eventuell durch eine lockere Bemerkung über seine tollen Äpfel dessen Stimmung aufhellen. Der Nichtgeübte in Meditation fühlt sich vielleicht ertappt und spricht deshalb nicht mehr mit seinem Nachbarn. Der Nachbar erkennt in seiner schlechten Stimmung die negative Reaktion, bezieht sie auf sich und rutscht noch tiefer in seine Missstimmung hinein. Die eine Reaktion führt so zum Entstehen einer freundschaftlichen Beziehung, die andere ist eventuell der Beginn einer Negativspirale.

All das hat viel mit der geistigen Ebene zu tun, wie bewusst wir unsere Umwelt wahrnehmen und wie wir mit unseren Gedanken umgehen. Lassen wir einem hochkommenden negativen Gedanken zu und akzeptieren ihn oder lehnen wir ihn ab, unterdrücken ihn?

Wie lässt man Gedanken los?

Muladhara ChakraFür das bewusste Loslassen von negativen Gedanken gibt es im Yoga viele verschiedene Methoden. Die einfachste ist sich auf das Gegenteil zu konzentrieren.

Steigt bei einem Gedanken Angst in mir hoch, dann konzentriere ich mich auf Zuversicht und Vertrauen, das Gegenteil von Angst. In einer anderen Situation kann als Gegenteil von Angst Mut gefordert sein. Man legt sich ein Bild zurecht, das man in schwierigen Situationen hervorruft. Befindet man sich beispielsweise in einer Lebensphase, in der man unter Ängsten leidet, behilft man sich immer mit diesem zurechtgelegten positiven Bild.

Wenn auf einer zusätzlichen Ebene negative Gedanken kommen, kann man dieses Bild gleich verwenden ohne lange nachdenken zu müssen. Es kann eine Landschaft sein, ein Netz, zu Hause bei der Mutter, es gibt viele Möglichkeiten. Man kann es mit einer Affirmation, einem Gebet, einem Mantra verbinden. Man legt sich eine Mischung von Dingen zurecht, die zu einem persönlich passen.

Es sollte wie ein Werkzeug immer griffbereit sein. Sobald ein negativer Gedanke kommt, ergreift man das Werkzeug und beruhigt die Gedanken. Daraus entwickelt sich mit der Zeit ein konditionierter Reflex. Allmählich nehmen die negaiven Gedanken ab und man entwickelt eine bessere Stimmung und kommt in eine Aufwärtsspirale.

Es ist wichtig, negative Gedanken nicht zuzulassen. Ein einziger negativer Gedanke bringt einen wieder in eine Abwärtsspirale. Bremst man diesen Prozess nicht sofort, beschleunigt sich der Abwärtstrend und man kann sich in das Negative regelrecht hineinsteigern. Heilungskräfte brauchen eine positive Stimmung und müssen deshalb gefördert werden.

Es kann passieren, das es nicht gelingt. Was dann?

Dann hast du es vielleicht mit einer Methode probiert, die der Situation oder dir selbst nicht angemessen war. Man muss das der Situation angemessene Werkzeug finden. So zu tun als wäre alles gut, klappt nicht bei jedem. Es gibt ein Riesensortiment an Möglichkeiten, innerhalb des Yoga und auch außerhalb.

Mit Hilfe der geistigen Ebene, dem Geist, muss man herausfinden was passt. Dabei muss man darauf achten, dass man keine negativen Energien verstärkt. Gegen das Licht kommt kein Schatten an. Der Weg der positiven Stimmung ist auf jeden Fall der bessere.

Wenn der Druck sehr stark ist, kann es allerdings passieren, dass man brüllen muss. Manchmal ist das wirklich angemessen. Es gibt auch Yogaübungen mit Brüllen, z. B. den Löwen und den Holzhacker, in denen man Aggressionen los lassen kann. Auch einige Runden flotte Sonnengrüsse sind dazu sehr gut geeignet.

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