YS1.18 – Wie man das Wesentliche erkennt (Youtube-Video)

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das Wesentliche

Das Wesentliche zu erkennen ist das schwerste überhaupt – und dabei ist es so einfach. Aber einfach ist nicht leicht.

Patanjali zeigt uns in dieserm Vers, wie wir das Wesentliche erkennen können.

★★★ Für Eilige, die Video-Zusammenfassung ★★★

Yoga Sutra Patanjali Vers 1.18 – der erweiterte Zustand der Erkenntnis ermöglicht den Blick auf das Wesentliche

विरामप्रत्ययाभ्यासपूर्वः संस्कारशेषोऽन्यः ॥१८॥

virāma-pratyaya-abhyāsa-pūrvaḥ saṁskāra-śeṣo-’nyaḥ ॥18॥

Bei beharrlicher Auflösung früherer Überzeugungen, verbleibt der ausserordentlich klare Geist. ||18||

Hier wieder die Links zu den Übersetzungen der einzelnen Vokabeln. Ich empfehle über jeden einzelnen Begriff eine Weile zu meditieren, um einen intuitiven Zugang zur Bedeutung zu erhalten. Dann wird das Wesen – das Wesentliche – sichtbar.

  • virāma – Abwesenheit, Pause, Beenden, Abstinenz
  • pratyaya – Bewusstheit, Meditation, Erklärung, Überzeugung
  • abhyāsa – Drill, Gewohnheit, Disziplin, Wiederholung
  • pūrvaḥ – frühere, vorherige, …
  • saṁskāra – Reinigung, Perfektion, Ausbildung, Eindruck, Korrektheit, Heiligen
  • śeṣo – übrig gebliebene, Reste
  • anya – ausserordentlich, verschieden

Danach meditiere über den gesamten Satz. Seine tiefere Bedeutung wird sich dir in der Meditation erschliessen.

Nachfolgend nun die Ergebnisse meiner Erkenntnis dazu.

Die Auflösung früherer Überzeugungen

virāma-pratyaya-abhyāsa-pūrvaḥ

Überzeugungen zu haben bedeutet, dass wir durch ausdauernde und intensive „Praxis“ eine unbewusste Gewohnheit in uns aufgebaut haben. Diese wirkt auch dann, wenn wir uns ihrer nicht bewusst sind. Sie lenkt den Blick vom Wesentlichen ab.

Praxis hab ich in Anführungszeichen gesetzt, weil hier nicht nur Yoga-Praxis gemeint ist.

Es geht um jegliches Tun.

Egal wann, warum und wie.

Neurologische Sicht auf Gewohnheiten

Unser Gehirn ist plastisch – es passt sich laufend an. Ähnlich, wie unsere Muskeln, und der gesamte Organismus.

Wenn wir Gewohnheiten entwickeln, dann bedeutet das, unser Gehirn hat neuronale Pfade angelegt, Es wurden Synapsen verknüpft, die dieser Gewohnheit den Weg ebnen. Dadurch kann sie quasi „reflexartig“ stattfinden, ohne weiteren Filterungsprozessen zu unterliegen. Damit wird aus neurologischer Perspektive das Wesentliche beschleunigt.

Je öfter diese Gewohnheit praktiziert wird, um so dicker wird der neuronale Pfad. Was einmal als Trampelpfad begonnen hat, wird irgendwann zur neuronalen Autobahn.

  • Zu solchen Gewohnheiten gehört beispielsweise das Gehen – wir denken darüber nicht mehr nach. Wir tun es einfach.
  • Oder das Schuhe zubinden. Weist du noch, wie intensiv du das damals üben musstest? Heute läuft das automatisch ab. Außer, du hast eine neue Sorte Schuhverschluss … 🙂

… dann musst du erst mal einen neuen neuronalen Trampelpfad anlegen.

 

Mental-Gewohnheiten sind der Dreh- und Angelpunkt

In diesem Vers sind allerdings vor allem mentale Gewohnheiten gemeint, weniger so Fälle wie die obigen Beispiele. Trotzdem gehören die auch dazu.

Handlungsabläufe sind Teil unserer Mentalprozesse.

Die eingemeißelten Denkprozesse

Illustrierendes Beispiel:

  • Wenn du beim Anblick von roten Tulpen immer an die Friedhofsbesuche deiner Oma denken musst, dann wirst du den Anblick dieser Blumen schwerlich als fröhlich empfinden können.
  • In der fröhlichsten Situation, bei dem tollsten Freudenfest, wirst du beim Anblick dieser Blumen wehmütig werden.
  • Einfach, weil dein neuronaler Trampelpfad so angelegt ist.
  • Das ist das Wesen(tliche) der Tulpen in deinem Leben.

Es dauert, bis du das ablegen kannst. Du kennst das, da bin ich ganz sicher.  🙂

Das Wesentliche vergessen wir oft

  • Gerade Alltagsgewohnheiten machen einen grossen Teil unserer mentalen Gewohnheiten aus.
  • Mental-Gewohnheiten werden keineswegs nur auf der Yogamatte oder dem Meditationskissen geformt.

So mancher „Yogi“ (man beachte die Anführungszeichen) ist stolz auf tägliche 2-Stundenmeditation. Und fällt im Alltag durch unyogische Verhaltensweisen auf, …. und hält sich gleichzeitig für heilig, weil er ja so viel meditiert.

Er hat den Alltag vergessen,
und ist zu versessen,
auf dem Kissen zu sitzen.

Der nicht-meditierende Mensch, der voller Achtsamkeit in seinem Tun, dem Wesentlichen, verweilt, kann da wesentlich heiliger sein.

Daher nochmal:

Die Denk-Rituale des Alltags, und (UND!!) der spirituellen Praxis formen unsere Überzeugungen und mentalen Gewohnheiten.

Gerade die Alltagshandlungen bestimmen unsere bewussten und vor allem unsere unbewussten mentalen und physischen Handlungen.

  1. Das ist die Gesamtheit aller unserer inneren Regungen.
  2. Es geht darum diese Gesamtheit dieser inneren Regungen los zu werden: virāma

Sie sollen abgestellt werden – wenigstens vorübergehend -um in den besonderen Zustand der inneren Sammlung gelangen zu können.

Damit wir das Wesentliche erkennen können.

 

Wir alle wissen, wie schwer das ist

Stell mal deine unbewussten Beurteilungen und Reflexmuster ab. Das ist nicht ohne. Und genau das ist hier gemeint.

Hier wird eine grosse Kraft benötigt, welche den Drill der Alltagseinflüsse auflöst.

Da reicht es nicht aus, sich zu entgegengesetzten Handlungen zu zwingen, wie manche glauben.

Das verstärkt lediglich den inneren Druck, und verbreitert dadurch den neuronalen Pfad.

Die neuronale Autobahn wird noch weiter verstärkt.

Sowas ist genau kontraproduktiv.

Sich den inneren Impulsen entgegengesetzt zu verhalten, verschlimmert das Problem. Klick um zu Tweeten

Denn dann gibt man Energie in das was man eigentlich gerne loswerden will.

In das Un-Wesentliche.

 

Um aus dieser Falle raus zu kommen hilft Entspannung

Wir müssen das Thema los lassen, und alle seine Spuren komplett aus dem Geist entfernen.

Zunächst geht es darum, ganz im Sinne von Patanjali, Abstinenz zu üben:
virāma – Abwesenheit, Pause, Beenden, Abstinenz

Erst dann, wenn das geschehen ist, können wir versuchen uns neu diesem Thema zu widmen, um einen neuen Zugang zu erlangen. Um eine neue Neuronenautobahn anzulegen. Die uns anschliessend das Wesen erkennen lässt.

In der Yogatherapie heisst das: in den Konflikt hinein zu entspannen.

Es heisst nicht: Reiss dich zusammen.

Sondern es geht ums Loslassen der Gewohnheit.

Nicht um Druck oder Zwang.

Sondern um das Wesen an sich.

Denkgewohnheiten loslassen ist das schwerste Loslassen

Schon allein deshalb, weil Gedanken schwieriger zu packen sind, als Dinge.

Aber anders werden wir diese ins Denken eingemeißelten Spuren nicht los. Es geht immerhin um nichts geringeres, als um die Auflösung der neurologischen Pfade in unserem Nervensystem.

Und wenn es gelingt, wenn wir es schaffen, diese Denkreflexe abzustellen, unseren Geist von alten Gewohnheiten zu befreien, dann passiert was besonderes.

Dann befreien wir uns von jeglicher Bewertung und Formung der Geistesinhalte.

Plötzlich sehen wir klar.

Wir sehen das was ist.

Das Wesentliche.

Dann sehen wir das WESEN-tliche, wir erkennen das Wesen der Dinge. Klick um zu Tweeten

Dies deshalb, weil wir uns von unbewussten Mechanismen befreit haben, die eigenmächtig und ohne unsere Bewusstheit jegliche Wahrnehmung verzerren.

Und nochmal:

Das ist nicht ohne!

Jeder, der das ernsthaft versucht weiß, dass es jahrelanger hochintensiver Achtsamkeit im Alltag UND hartnäckiger Meditationspraxis braucht, um auch nur in die Nähe dieses besonderen, klaren Zustandes zu kommen.

Und sei es nur ganz kurz.

Denn er ist höchst labil, der Zustand, der klar sieht.

Und nur er ermöglicht es uns, das Wesen der Dinge zu schauen.

Das ist ein Zustand außerordentlicher Klarheit und Weite.

Er ist wie ein Sternenhimmel in dunkelster Nacht, ohne jegliche Trübung der Atmosphäre, bei dem wir mit bloßem Auge unglaublich viele Sterne sehen können.

Unklarheiten verzerren nicht nur den Geist, sondern auch den Körper

In der Yogatherapie-Ausbildung gehen wir davon aus, dass jegliche geistige Regung eine Regung im physischen Körper hervor ruft.

Es gibt keine Möglichkeit eine geistige Regung zu haben, die nicht auch in Muskeln, Gelenken, Organen oder in den verschiedenen Steuerungssystemen ein Echo hervorruft.

Wer intensiv und systematisch eine bestimmte Art von Geistesbewegungen hat, wird damit eine bestimmte Art von „Körperecho“ hervor rufen.

Je nach Art der Ausprägung, trägt dieses Körperecho den Namen der einen oder anderen Gesundheitsstörung.

Einige Beispiele:

  • Wer die Zähne zusammen beisst hat oft nächtliches Zähneknirschen (Bruxismus)
  • Hartnäckige Personen haben einen harten Nacken (sehr weit verbreitet)
  • Glühender Zorn macht chronische Gastritis
  • Wer sich als klein und schwach empfindet, hat oft Probleme mit den Füssen: Stehvermögen
  • … usw.

Sowohl der Volksmund mit seinen Sprüchen, als auch die Yoga-Lehre sind voll von Hinweisen über diese Zusammenhänge.

In der Yogatherapie-Ausbildung beschäftigen wir uns mit diesen Verbindungen, unter besonderer Berücksichtigung medizinischer Zusammenhänge.

Wir bauen die Brücke, zwischen altem und neuem Wissen

Der Leitfaden der uns führt, sind die Koshas, und dort vor allem Manomaya Kosha – in der Form der emotionalen Ebene.

Emotionen sind das, was uns bewegt: E-Motion - Bewegung Klick um zu Tweeten

Sie sind das, was Patanjali uns in diesem Vers als „die früheren Überzeugungen“ präsentiert, die wir loswerden müssen, um klar werden zu können.

Der klare, ruhige Geist verhilft nicht nur zu einer erweiterten Wahrnehmung der Welt, er erweitert auch die Möglichkeiten unseres verspannten und kranken Körpers.

Nur aus dem klaren, ruhigen Geist entsteht Gesundheit als ein brilliantes Lebensgefühl. Gib dich niemals mit weniger zufrieden!

Denn das ist das Wesentliche! 🙂

Die Abkürzung

Wenn du das Yoga-Sutra des Patanjali zwar interessant findest, aber einen Weg suchst, um vor allem schnell weiter zu kommen, dann ist das hier deine Abkürzung: 

 

 

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