YS1.4: Freiheit von den Vrittis!

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Vrittis spielen in Patanjali’s Yoga-Sutra eine zentrale Rolle. Was genau bewirken sie eigentlich, und warum sind sie so enorm wichtig?

Wir klären das jetzt. Weiter unten gibt’s ausserdem eine wirkungsvolle und ziemlich unkomplizierte Meditations-Anleitung. Damit kommst du in ein vertieftes Verständis des Konzepts der Vrittis.

Yoga-Sutra Vers 1.4 – Die Bewegungen des Geistes

वृत्ति सारूप्यमितरत्र ॥४॥
vr̥tti sārūpyam-itaratra ॥ 4॥

Ansonsten verändern die Formen (Vritti) seine Wahrnehmung. ||4||

Das ist ein besonders wichtiger Vers für jeden, der die Arbeitsweise seines Geistes verstehen möchte.

Was ist Chitta eigentlich?

Patanjali konzentriert sich auf Chitta als wesentliche Komponente unseres Seins. Das ist wichtig zu verstehen. Es ist nicht einfach „der Geist“, wie viele denken.

Genau genommen ist Chitta „das, was sich ständig ändert“.

Chitta ist nicht nur das Denken!

Da steckt wesentlich mehr dahinter. Chitta ist …

  • das aktive und bewusste Denken
  • das komplette unbewusste Denken
  • alle unbewussten und bewussten Emotionen
  • sowie jegliche Veränderung in unserem Energiesystem (Prana) und in unseren physiologischen Reaktionen

Diese Komponenten sind eng miteinander verflochten. Dazu weiter unten mehr.

Jetzt kommt erst mal Vritti dran.

Was sind Vritti’s?

In diesem Vers bezeichnet Patanjali jegliche Form der Veränderung von „dem, das sich ständig bewegt“ (Chitta) als Vritti.

Er spricht in seinem Vers von „Sarupyam“ (s.o.) – schau dir mal an, was dieses Wort bedeutet:

Interessant, oder? 🙂

Alles was unseren Geist bewegt verändert ihn. Und verändert damit unsere Wahrnehmung.

Der Moment, wo Vrittis entstehen oder vergehen …

Vrittis Patanjali Yoga-SutraIn dem Moment nehmen wir nicht mehr das wahr, was „ist“, sondern das, was durch die Verzerrung unserer Wahrnehmung gerade betont wird.

  • Konzentriere ich mich gerade auf Hunde – filtert mein Geist alles was in den Wahrnehmungsbereich gerät in Bezug auf Hunde.
  • Konzentriere ich mich gerade auf die Gestaltung meiner Yogaschule, dann wird alles auf seinen Gestaltungsaspekt für Yogaschulen hin gefiltert.
  • Bin ich in irgend einer Weise gerade auf Unfälle konzentriert (in meiner Familie gabs kürzlich zwei Unfälle mit komlizierten Beinbrüchen, daher komm ich da drauf), dann sehe ich in allem was gerade um mich herum geschieht die Unfallgefahr. Mein Umfeld wird mit entsprechenden Warnhinweisen „gesegnet“.
  • … usw.

Ich glaub, du kennst das.  🙂

Sehr wichtig zu verstehen ist, dass …

  • jede geistige Form die Wahrnehmung verändert.
  • Absolut jede.
  • Es gibt keinerlei Ausnahme.
  • Egal ob positiv oder negativ
  • einfach keine

Und es geht darum, dass du dir dessen bewusst bist!

Nur wenn du dir der Auswirkungen der Vrittis bewusst bist, kannst du gezielt damit umgehen.

 

Der Fokus ist ein Vritti

Au man … der Fokus, auf den du dein Bewusstsein richtest, ist bereits ein Vritti, und verändert deine Wahrnehmung. Du siehst die Welt unter diesem Filter.

Patanjali lehrt die völlige Freiheit von Vrittis aller Art, um die Welt so sehen zu können wie sie ist.

Es gibt nur einen Weg nicht zu filtern, um die Welt so sehen zu können „wie sie ist“. Das ist die absolute Freiheit von Vrittis. Die Freiheit von jeglicher Form der Fokussierung. Egal, ob positiv oder negativ.

Freiheit für die … (Gummibärchen?)

Was geschieht mit dir, wenn du diesen Spruch liest?

Läuft dir das Wasser im Mund zusammen? Oder schüttelt es dich eher? Dann hast du ein wunderschönes Beispiel für die Auswirkung von Vrittis:

  • Der Gummibärchen-Fokus bewegt Erinnerungen, Emotionen, … und den Speichelfluss. Also wirkt ganz physiologisch.

Erkenntnis: Vrittis sind dramatisch!

Spannend ist mal systematisch zu beobachten, was bei bewusstem Umgang mit den Vrittis eigentlich mit uns geschieht. Ich glaube, nur dann kann man wirklich ermessen, wie dramatisch wichtig das ist.

 

Vritti-Meditation

Dazu hier mein Vorschlag einer Meditation, zur Erforschung der Auswirkungen der Vrittis.

  • Bringe deine Gedanken zur Stille – wie in Vers 2 beschrieben.
  • Geniesse sie eine Weile und beobachte die Vritti-Freiheit. Achtung: Tue nichts!!! Verbinde damit keine Absicht. Das wäre schon wieder ein Vritti. Das wollen wir nicht. (Nichtwollen ist übrigens auch ein Vritti … )
  • Nach einer Weile fokussiere dich willentlich auf etwas, das für dich derzeit wichtig ist.
  • Beobachte, was sich ändert: deine Gedankenintensität, dein Atem, deine Emotionen, dein Puls, dein Blutdruck, die Spannung in deinen Muskeln, dein Prana.
  • Alles kommt in Bewegung!
  • Dann gehe wieder in den vrittifreien Zustand. – gar nicht so leicht, ich weis. Versuchs trotzdem. Befreie dich. Das ist von zentraler Bedeutung.
  • Beobachte, wie sich jetzt wieder alles verändert: Geist, Atem, Puls, Emotionen, … Körper.
  • Spiele dieses Spiel einige Male, mit Vrittis unterschiedlicher Qualitäten.
  • Also jedes mal was anderes. Mal was Schönes, mal was Unschönes.  Achte darauf, dass sowohl positive wie negative Vrittis dabei sind, und beobachte, wie sie jeweils wirken.

Wie wars?

Spannend, oder? 🙂

Welche Arten von Vrittis gibt es?

Patanjali sagt uns genau, welche Arten von Vrittis es gibt. Bei der Benennung der Vrittis zeigt er eine sehr große Weisheit, denn er schafft es die Arten der geistig-seelischen Bewegungen in nur 5 Elemente aufzuteilen. Das ist beeindruckend.

Im Beitrag YS 1.5 – 5 Unfreiheiten des Yogis, definiert Patanjali die Arten von geistigen Unruhen. Das ist enorm hilfreich, um den eigenen Geist besser zu verstehen.

In späteren Beiträgen beschäftigen wir uns noch mit den Methoden die Patanjali empfiehlt, um den eigenen Geist dann tatsächlich zur Ruhe zu bringen.

Die Abkürzung

Wenn du das Yoga-Sutra des Patanjali zwar interessant findest, aber einen Weg suchst, um vor allem schnell weiter zu kommen, dann ist das hier deine Abkürzung: 

 

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