YS1.11: Vritti des Abenteuers

Du suchst Infos zur Yogatherapie-Ausbildung? ☛ hier klicken



Chitta und Vrittis

Praktische Erfahrung ist durch nichts zu ersetzen, außer durch noch mehr praktische Erfahrung. Wenn man sie richtig nutzt. Lies hier, warum Erfahrungen so unverzichtbar sind.

Praktische Erfahrung ist der zuverlässigste Teil unseres Wissens. Es gibt nichts, das diese sinnvoll ersetzen könnte, ausser noch mehr praktische Erfahrung. In diesem Beitrag zeige ich dir warum das so ist.

Damit wirst du vor allem deine negativen Erfahrungen Wert schätzen!

Yoga-Sutra des Patanjali Vers 1.11 – Vritti des Abenteuers

अनुभूतविषयासंप्रमोषः स्मृतिः ॥११॥

anu-bhūta-viṣaya-asaṁpramoṣaḥ smr̥tiḥ ॥11॥

Erinnerung (Smriti) entsteht aus dem Erlebten (anubhuta), wenn der Gegenstand der Erfahrung (vishaya) noch nicht losgelassen wurde (asampramosha). ||11||

Ein Vers mit echtem Tiefgang – dessen Bedeutung oft nicht erkannt wird.

Die wichtigsten Worte aus diesem Vers

  • Anubhuta ist das Erlebte, realisierte Erfahrung, praktische Erfahrung. Es ist etwas, durch das man hindurch gegangen ist.
  • Smriti ist mehr, als nur einfach Erinnerung. Smriti ist die Gesamtheit des unbewussten und bewussten Wissens, welches uns leitet.

Zur Erinnerung: Es geht um Vrittis, nicht um Wissen

Es geht um Vrittis – Gedankenbewegungen – Arten von Bewegungen in Chitta. Es geht nicht um das Wissen an sich.

In diesem Kontext geht es daher nicht um den Wert von Überlieferungen oder überholtem Wissen. Es geht auch nicht um die Frage, inwieweit persönliche Erinnerungen existieren oder in Vergessenheit geraten.

Es geht darum sich klar zu machen, dass jegliche Form von Erinnerung und erinnertem Wissen eine eigene Vritti-Qualität ist.

Diese Vritti ist ein eigener Typ von Gedankenbewegung.

 

Die Qualität der Erinnerungs-Vritti

Immer wenn wir uns an etwas erinnern, bewegt sich eine Vritti in unserem Chitta.

Diese Art von Vritti fühlt sich völlig anders an, als beispielsweise die Vritti der aktiven Reflektion oder das Vritti des Nidra.

Hier kannst du alle 5 Vrittis nochmal nachschlagen, wenn du das möchtest.

Die Erinnerungs-Vritti ist die Vritti, die Erlebtes aus dem inneren Speicher holt, und für weitere Denkprozesse oder Vrittis zur Verfügung stellt.

Diese Art von Vritti kann aktuelle Vrittis stark beeinflussen.

Schauen wir, wie es Franzi und Franz damit ergangen ist

Du kennst Franz und Franzi aus dem Beitrag: Yoga-Sutra des Patanjali 1.9 – Wahres Wissen macht Ahhh!

Franzi hat eine schwierige Aufgabe zu lösen. Franz hat ein fehlendes Wissenselement im Internet ausfindig gemacht, um Franzi bei der Lösung einer Aufgabe zu helfen. Franzi hat dadurch mit Hilfe von Franz theoretisches Wissen erhalten.

Dieses wird nun auf die vorliegende Aufgabe angewendet.

Das theoretische Wissen an sich hatte für Franzi bisher keinen Bezug. Daher gab es keine Erinnerung daran, obwohl es vielleicht zu Schulzeiten schon mal gelernt wurde.

Im Zuge der Anwendung dieses theoretischen Wissens auf die aktuelle Aufgabe durchlebt Franzi den Aufgaben-Lösungs-Prozess. Eine lebendige Erfahrung entsteht.

  • Lebendige Erfahrung bedeutet immer, dass Emotionen entstehen.
  • Jegliche Emotion wird dauerhaft abgespeichert.

„Menschen können vergessen, was du zu ihnen gesagt hast, aber nie das Gefühl, dass du ihnen einmal gegeben hast.“ (Quelle unbekannt)

Durch die praktische Verknüpfung des Wissenselementes mit der Emotion wird diese fest im Geist verankert. Weil das Wortwissen mit Emotion verbunden wurde. Mit der Emotion des persönlichen Erlebens.

Wissen + Emotion durch Tun = praktische Erfahrung = Dauerhafte Erinnerung

Diese Emotion wird Franzi zukünftig bei der Lösung von Aufgaben unterstützen und leiten.

Und zwar auch und vor allem dann, wenn Franzi gar nicht mehr daran denkt.

Wenn das Wortwissen, welches diese Erfahrung ermöglicht hat, schon längst wieder vergessen ist.

 

Die praktische Erfahrung bleibt immer aktiv

  1. Durchlebte Erfahrungen überdauern alle Zeiten in unserem Unterbewusstsein.
  2. Sie steuern und leiten uns unser ganzes Leben lang.
  3. Persönliche Erfahrungen stehen uns auch dann zur Verfügung, wenn wir gerade im Geiste „nicht klar“ sind. (egal warum)
  4. Sie leiten uns sicher im Rahmen des Erlebten durch zukünftige Situationen.

Dieser Moment, in dem sich die praktische Erfahrung meldet …

Jeder von uns kennt das, dass wir in einer Situation nicht so recht weiter wissen.

Typisch ist dann diese gewisse Leere im Geist, in Verbindung mit ratlosem aus-der-Wäsche-gucken.

Wer sich dem stellt und das nicht überspielt, der erlebt sehr häufig, dass plötzlich aus den inneren Tiefen ein Handlungsimpuls kommt.

Ein Handlungsimpuls der weiter führt und echt hilft den nächsten Schritt zu tun. Ein Schritt, der kurz vorher noch „geklemmt“ hat.

„Wege entstehen dadurch, dass man sie geht.“
(Franz Kafka)

Der Weg entfaltet sich beim Gehen – dieser Spruch spricht genau von dieser Vritti.

Der Vritti der praktischen Erfahrung.

Nur praktische Erfahrung führt zu zuverlässiger Erinnerung.

Oder anders formuliert:

Nur wer sich auf das Abenteuer praktischer Erfahrung einlässt, verfügt über eine zuverlässige innere Führung!

Jede Vritti der praktischen Erfahrung ist eine Vritti des Abenteuers

Also hör auf über schlechte Erfahrungen zu schimpfen. Sie sind bestandene Abenteuer, die dich in der Zukunft sicher vor weiteren, möglicherweise übleren Erfahrungen bewahren werden.

Lass keine Chance aus, eine hilfreiche Erfahrung zu machen. Egal, ob diese gut oder schlecht ist. (von mir 🙂 …)

Der Wert der Vritti des Abenteuers für Yogatherapeuten ist klar:

Wir können immer das am besten und zuverlässigsten anleiten, was wir selbst durchlebt haben. Deshalb gibt es in vielen Naturgesellschaften die Regel, dass diejenigen, die eine Erkrankung bei sich selbst geheilt haben, qualifiziert sind andere mit derselben Erkrankung bei der (Selbst-)Heilung zu unterstützen.

Dabei sind die traditionell „erinnerten“ Modelle als Leitfaden sehr wichtig. Dazu gehören im Yoga unter anderem Swara-Yoga, die Koshas, die Chakras, … und weitere.

In Anlehnung daran ist die Yogatherapie-Ausbildung so aufgebaut, dass wir uns mental im Rahmen von Rollenspielen mit verschiedenen Krankheiten verbinden, und darauf die energetischen Modelle des Yoga anwenden.

Die daraus entstehende besondere Stimmung nutzen wir, um die in diesem Kontext nützlichen und heilungsfördernden Yoga-Praktiken zu bestimmen. Dabei wird der „geistige Keim“ jeder Erkrankung die wir (ohne es zu wissen oder auch wissend) in uns selbst tragen, gleich mit behandelt und aufgelöst.

Aus dieser Tätigkeit entsteht eine Sammlung von zur Krankheit oder dem jeweiligen Lebensthema passenden Yoga-Praktiken. Aus dieser Sammlung, die wir „Toolbox“ nennen, entsteht dann die maßgeschneiderte Yoga-Übungs-Reihe für den EinzelfallHier lernst du am einfachsten, wie das geht

Die 5 Arten von Vrittis und was sie mit deinem Geist machen

Damit sind wir am Ende der Definition der Arten von Vrittis. Die Übersicht über die 5 Arten von Vrittis, und was sie mit dir machen, findest du im Beitrag Yoga Sutra des Patanjali – Vers 1.4 – Freiheit von den Vrittis!

Die Abkürzung

Wenn du das Yoga-Sutra des Patanjali zwar interessant findest, aber einen Weg suchst, um vor allem schnell weiter zu kommen, dann ist das hier deine Abkürzung: 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.